Der Esel - alles andere als stur

Beitrag von Radio Munot vom 09.12.2015 in der Tiersendung
über den Esel. Dafür ist Natalie interviewt worden.

Der Esel - alles andere als stur.mp3

(Quelle: SF Videoportal/ Einstein vom 20.01.2011)




    Kein Tier hat es verdient, dass man seinen Namen
    missbraucht,
um einen Menschen damit zu beschimpfen.
     Ernst R. Hauschka (*1926)







Der Esel

Seit Jahrtausenden ist der Esel das Last- und Arbeitstier Europas und Nordafrikas. Er trägt die Früchte der Feldarbeit
zu den Märkten und dient dem Bauern auf dem Heimweg als Reittier. Mühlen und Brunnen treibt er an und sogar den Pflug
zieht er über die Felder.

Doch Undank ist der Welten Lohn: Der Esel wird mit allerlei Attributen wie störrisch, dumm und faul in Verbindung gebracht.
Nie erhielt er die liebevolle Beachtung der verwandten Pferde und manchmal wird er gar als Schimpfwort missbraucht.

Dass die Bezeichnung "Du Esel" eigentlich ein Kompliment ist, wissen indes jene, die sich mit seinem Wesen beschäftigt
haben und seine Genügsamkeit, Sanftmut und seinen Arbeitseifer zu schätzen wissen.
(Esel, Treue Gefährten, Greta Jansen)




Wichtiges in Kürze

Der Esel ist genügsam, (nur betreffend Futtermenge, nicht in Bezug auf Futterqualität oder Haltung), geduldig, ausdauernd,
mutig, sanft und ruhig – kurz ein freundliches Geschöpf.
Viele behaupten, der Esel sei stur, dumm und störrisch. Eine solche Halsstarrigkeit ist aber eher damit begründet, dass der
Esel versucht seinen Willen mit aller Entschlossenheit durchzusetzen. Dies wiederum ist auf seinen Ursprung und seine instinktive
Intelligenz zurückzuführen. 

Der Esel ist im Gegensatz zum Pferd weniger autoritätsgläubig und braucht viel Überzeugung, Sinnentnahme und Beziehung für eine
Zusammenarbeit mit dem Menschen.


Geschichte

Der Ursprung des heutigen Hausesels liegt teilweise in Nord- (Nubischer Esel) und Ostafrika (Somalischer Esel), teilweise in Asien
(Syrischer Esel, Onager, Kulang, Kiang). Wie das Pferd wurde der Esel irgendwann in der Frühgeschichte „domestiziert“ und über die
Seidenstrasse und Kleinasien gelangten Mischungen aus diesen (asiatischer) Rassen in die östlichen Mittelmeerländer.
Sehr früh findet man den domestizierten Esel auch im nahen Osten und Ägypten (Schilderung der Bibel). Verbreitung in Mitteleuropa
erfuhr er durch die Römer, die den Esel in die besetzten Gebiete einführten und ihn in der Landwirtschaft und in der Armee
verwendeten.
Lange Zeit „Pferd des armen Mannes“, da die meisten Pferde zu militärischen Zwecken aufgekauft wurden.

Noch heute geniesst der Esel nicht die gleiche Anerkennung wie das Pferd. 
Die Vorstellung gilt immer noch, ein Esel könne „einfach in den Garten gestellt werden“, hätte keine Ansprüche und brauche kaum Pflege.


 

Wissenswertes

Die Lebenserwartung liegt bei artgerechter Haltung bei ca. 35-40 Jahren. In der Schweiz ist die durchschnittliche Lebenserwartung
wegen schlechter Haltung und fehlendem Fachwissen leider nur bei etwa 16 Jahren. 

Ausgewachsen und belastbar ist der Esel erst mit 4-5 Jahren. Mit 8 Jahren werden viele Esel im Temperament ruhiger.

Zwergesel    bis Stockmass 105cm
Hausesel      bis Stockmass 120cm
Grossesel     ab  Stockmass 121cm

 

Haltung

Esel benötigen Sommer wie Winter einen Stall. Er bietet Schutz vor Regen, Schnee, Hitze, grosse Kälte und Fliegen. 
Die Bewegungsflächen vor dem Stall sollten aus trockenem befestigtem Boden bestehen. Der Esel ist ein Wüstentier.
Zu feuchte und weiche Böden können den Hufen schaden. 
Die Hufe müssen auch beim Esel gepflegt werden. Regelmässiges Ausschneiden (ca. alle 8 Wochen) durch einen Hufschmied/Hufpfleger 
ist unerlässlich, sonst bilden sich „Schnabelschuhe“. 
Haarkleid und Haut sollte regelmäßig auf Pilz und Parasiten kontrolliert werden.   
Mindestens 4 x im Jahr sollte entwurmt werden.  

Der Esel verträgt die trockene Kälte recht gut. Hingegen schadet ihm längere nasse Kälte. 
Esel sind Herdentiere. Sie brauchen den Kontakt mit Artgenossen. Die Herde bietet ihnen Sicherheit und lehrt sie soziales Verhalten.



Fütterung

Der Esel hat einen hohen Rohfaserbedarf, der mit langstieligem Heu und Stroh, zusätzlich mit Sträucher bzw. Äste und Holz abgedeckt wird.
Auch bei den Mineralien ist hoher Bedarf - dieser kann mit einem Leckstein und/oder Mineralfutter abgedeckt werden.
Die Verdauungseffizenz des Esels ist hoch, da sein Ursprung in den Südländern bzw. in den Afrikanischen Ländern liegt.
Ein Zuviel an Proteinen (auch Gras) macht ihn krank, lässt ihn fett werden und er bekommt Stoffwechsel - und Hufprobleme.



Nutzung


Reiten              -  1/5 des Körpergewichts des Esel   
Fahren             -   das zweifache des Körpergewichts 
Zucht              -   Bedeckung ab 3.Lebensjahr, dann alle 2 Jahre

            

           Der Esel = Pferd ??

Der Esel ist ein anderes Tier als das Pferd. Esel benötigen eine eselspezifische Haltung. Esel sind dem Zebra ähnlicher als dem Pferd !

Einige Unterschiede vom Esel gegenüber dem Pferd:

Ø    Der Esel hat ein komplett anderes Aussehen und Verhalten. Er trinkt das Wasser anders, verhält sich anders bei Gefahr,  
hat andere Ernährungsgewohnheiten und einen anderen Stoffwechsel.

Ø    Der Esel hat ein anderes Blutbild

Ø    Eselhengste haben Zitzen am Bauch und einen grösseren Penis als Pferde

Ø    Eselhufe sind kleiner und haben eine dickere Hufwand und einen steileren Hufwinkel

Ø    Der Widerrist ist niedriger und das Brustbein ragt weiter nach vorne

Ø    Das Becken hat eine andere Form

Ø    Esel haben 31 und Pferde 32 Paar Chromosomen

Ø    Die Trächtigkeit dauert 365-370 Tage (Pferde 335-346 Tage)

Ø    Esel sind langlebiger, sie werden bis 45 oder sogar 50 Jahre bei artgerechter Haltung!

Ø    Esel haben 5, Pferde 6 Lendenwirbel

Ø    Der Esel zeigt den Schmerz weniger als das Pferd (Esel wird ruhig, Pferd eher unruhig)

Ø    Esel sind nicht autoritätsgläubig, sie wollen überzeugt werden

Ø    Esel verlieren keine Sommerhaare im Herbst, sie erhalten zusätzliches Winterhaar

Ø    Esel sind nur bedingte Fluchttiere, sie können bei einer Gefahr still stehen bleiben. Pferde dagegen sind absolute Fluchttiere.

Ø    Wälzt sich ein Esel im Sand, schüttelt er nach dem Aufstehen nur den Kopf, das Pferd den ganzen Körper

 

Früher wurden vorallem Maultiere oft zum Lastentransport über die Alpen eingesetzt. Ein Güterumschlag war vor der Zeit der Tunnel
und Lastwagen ohne diese Tiere nicht denkbar.

Maulesel     die Mutter ist eine Eselstute, der Vater ein Pferdehengst
Maultier      die Mutter ist eine Pferdestute, der Vater ein Eselhengst